Track 1: Subjekte

Bildungs- und Entwicklungsprozesse im Studium begleiten

Bildung im Kontext von Ungewissheit zu gestalten, impliziert gemeinsame Suchbewegungen von Studierenden, Lehrenden und Hochschuldidaktiker:innen, kurz allen Beteiligten gleichermaßen. Lernen und Lehren lassen sich als transformative, sinnstiftende und mitunter widersprüchliche Prozesse verstehen. Sie fordern Anstrengung und Selbstbegegnung, eröffnen aber zugleich Räume für Autonomie, Resonanz und Verantwortung.

Studium ist somit auch ein Prozess der Persönlichkeitsentwicklung. Persönlichkeit entwickelt sich kontinuierlich, aber nicht unbedingt linear. Sie ist eingebettet in Fachsozialisation, akademische Praktiken und Lernkulturen.  Studierende erproben Haltungen, deuten Erfahrungen und suchen Orientierung zwischen Wissen, Können sowie professionellen und persönlichen Perspektiven. Gerade im Umgang mit dem Ungewissen lassen sich Sinnsuche und Sinnstiftung als wichtige Ressource begreifen.

Es stellt sich die Frage, wie Begleitung gelingen kann, ohne zu steuern – und wie Subjekte in offenen, ungewissen Lernlandschaften Orientierung finden. Dabei können sich Ansätze und Modelle wie transformatives Lernen (Mezirow 2009), Resonanzpädagogik (Rosa 2016) oder Entwicklungsorientierung (Burk & Stalder, 2022) als anschlussfähig erweisen.  

In Anlehnung an lernendenzentrierte und entwicklungsorientierte Bildungsverständnisse lädt dieser Track dazu ein, die Dynamik individueller und gemeinschaftlicher Entwicklungen im und zuweilen auch gegen institutionelle Rahmen zu erkunden.

Leitfragen für diesen Track sind:

  • Welche Bildungs- und Entwicklungsprozesse gilt es in den Blick zu nehmen?
  • Wie lässt sich gemeinsames Lernen und Lehren im Spannungsfeld zwischen Bildungsanspruch, Persönlichkeitsentwicklung und Berufsperspektiven gestalten?
  • Welche Formen des Begleitens, Ermöglichens und Miteinanderlernens tragen zu gelingenden Bildungs- und Entwicklungsprozessen bei? 
  • Wer hat in welchen Rollen welche Bereitschaft und Verantwortung sich einzubringen, mit welchem Anspruch und welchen Erwartungen? Was ist in den gegebenen Rahmenbedingungen und Strukturen bereits umgesetzt oder möglich?
  •  Wie können geisteswissenschaftliche Kernprinzipien wie Reflexion, Urteilsbildung, Sprachsensibilität und Perspektivenvielfalt in curriculare und didaktische Entwicklungsprozesse einfließen?
  • Welches Potenzial bergen diese Kernprinzipien für eine produktiv-kritische Auseinandersetzung mit Konzepten wie Future Skills, transformativem Lernen, Deep Learning oder Resonanzpädagogik? 
 

Literatur

Burk, W., & Stalder, C. (Hrsg.). (2022). Entwicklungsorientierte Didaktik: Lernen begleiten – Kompetenzen fördern – Persönlichkeitsentwicklung ermöglichen. Beltz Juventa.

Mezirow, J. (2009). Transformative learning in practice: Insights from community, workplace, and higher education. Jossey-Bass.

Rosa, H. (2016). Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp.

Nach oben scrollen
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner