Fachtag 2026 Kooperative Keynote

 

 

Lehren und Lernen selbstbestimmt denken – Subjektwerdung theologisch und (hochschul-) pädagogisch perspektiviert

 

Saskia Eisenhardt CAU, Institut für Praktische Theologie und IQSH, „Landesprogramm Zukunft Schule im digitalen Zeitalter

Wie können Lehr- und Lernprozesse so gestaltet werden, dass sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern Menschen in ihrer Subjektwerdung fördern? Es geht darum, die Studierenden als Personen mit eigenen Fragen, Erfahrungen und Deutungen ernst zu nehmen und sie auf dem lebenslangen Weg des Lernens, Denkens und Urteilens zu unterstützen. Im Rückgriff auf theologische Grundannahmen und pädagogische Debatten möchte ich danach fragen, wie Subjektwerdung als Bildungsziel unter gegenwärtigen Bedingungen von Pluralität, Digitalität und gesellschaftlicher Unsicherheit neu profiliert werden kann. Für die Hochschuldidaktik ergeben sich daraus Impulse, Lernräume nicht primär als Orte der Ergebnisproduktion zu verstehen, sondern als Ermöglichungsräume, in denen Subjekte sich mit Gegenständen, Praktiken und anderen Positionen auseinandersetzen, Perspektiven erproben und Selbstwirksamkeit erfahren können.

 

Studieren in Krisenzeiten – Werkzeuge und Methoden für die Zukunft

 

Julia Stasieniuk (studiert im Master, 4. Semester, Englisch und Deutsch) und Lisann Kistenmacher (studiert Pädagogik und Soziologie im 3. Semester)

Wir leben in einer Zeit, die von zahlreichen Krisen, tiefgreifenden Veränderungen und wachsender Unsicherheit geprägt ist. Gerade für Studierende stellt sich dabei die Frage, wie wir uns auf eine Zukunft vorbereiten können, die sich ständig wandelt und immer schwerer vorhersehbar erscheint. Als Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften lernen wir, kritisch zu denken, komplexe Zusammenhänge zu analysieren und wissenschaftliche Methoden anzuwenden. Die Lehre richtet ihren Fokus dabei oft stärker auf die Analyse gesellschaftlicher Probleme als auf konkrete Lösungsansätze. Doch auch darin liegt eine wichtige Stärke: Sie vermittelt uns Werkzeuge, mit denen wir gesellschaftliche Strukturen erkennen, hinterfragen und aktiv in Diskurse eingreifen können. Zum Beispiel trägt die Literaturwissenschaft dazu bei, bestehende Konzepte und gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten immer wieder neu zu reflektieren und zur Diskussion zu stellen. Aber auch allein ein interdisziplinärer Aufbau des Studiums kann uns dazu befähigen unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und vielfältige methodische Ansätze zu nutzen. Zudem wünschen wir uns im Studium Räume, in denen nicht nur Probleme analysiert, sondern auch gemeinsame Perspektiven, Handlungsmöglichkeiten und Zukunftsentwürfe entwickelt werden.

 

Translationsorientierte, multisensorische Sprachlehre – ein Balanceakt zwischen Fachsozialisation und transdisziplinärem Denken

 

Eva Seidl Universität Graz, Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft & Zentrum für Sprache, Plurilingualismus und Fachdidaktik

Den fachkulturellen Kontext meines Statements bildet die akademische Sprachausbildung angehender Übersetzer:innen und Dolmetscher:innen. Speziell für diese Studierendengruppe konzipierte, translationsorientierte Sprachlehre erfordert ein Verständnis für fachsensible Hochschuldidaktik. Vor diesem Hintergrund und der weit verbreiteten Verunsicherung, ob es trotz generativer KI weiterhin akademisch gebildete Translator:innen braucht, plädiere ich für einen multisensorischen Ansatz in der Hochschullehre. Dieser stellt den Menschen ins Zentrum und navigiert Studierende bei aller nötiger Fachsozialisation hin zu transdisziplinärem, vernetztem Denken.

 

Im Ungewissen handeln lernen: Zukunftsrelevante Kompetenzen in der Hochschullehre

 

Jörg Holten Universität Greifswald, Projekt Con-Future: Zukunftsorientiert studieren , vorher Projektmitarbeiter LeNie (Lehrnetzwerk Niederdeutsch vermitteln)

Der Begriff „Future Skills“ ist in der Hochschullehre angekommen und die damit verbundenen Frameworks suggerieren, wir könnten wissen, welche Kompetenzen in einer eigentlich stets ungewissen Zukunft gebraucht werden. Bildung wird dabei abermals auf die Herstellung von Arbeitsmarktfähigkeit reduziert. Gerade Studierende sind allerdings nicht einfach zukünftige Fachkräfte, sondern Akteur:innen gesellschaftlicher Zukunftsgestaltung. Ich plädiere daher für den Begriff „zukunftsrelevante Kompetenzen“ in der Hochschullehre, der nicht auf Prognosen, sondern auf die Fähigkeit zur aktiven Gestaltung von Zukunft zielt. Hochschullehre sollte dementsprechend als Erfahrungsraum verstanden werden, in dem durch praktisches Tun, Erproben und gemeinsames Handeln Kompetenzen entwickelt werden, die zur Gestaltung von Zukunft und damit zur Bearbeitung von Ungewissheit überhaupt erst befähigen.

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