Track 3: Ungewissheit als Gegenstand
Zukunftsvorstellungen und Wandel zum Thema machen
Gesellschaftlicher, politischer und technologischer Wandel ist selbstredend auch Gegenstand geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung und Lehre. Fragen nach Transformation, Verantwortung und Zukunftsfähigkeit durchziehen gegenwärtige Diskurse etwa zu intersektionalen und postkolonialen Perspektiven, zu Ökologie und Nachhaltigkeit oder zum Umgang mit künstlicher Intelligenz. Ungewissheit wird dabei nicht nur als Störung, sondern als Erkenntnismodus sichtbar – als Motor von Forschung und gesellschaftlicher Selbstbeobachtung (vgl. Nowotny 2017).
Sich dem Verhältnis von Mensch, Natur, Kultur und Technik zu widmen, ist ein Kerngeschäft dieser weltdeutenden Disziplinen. In der Auseinandersetzung mit Transformationsdiskursen, mit künstlerischen und literarischen Zukunftsentwürfen, mit Krisenphänomenen und ihren gesellschaftlichen Narrativen, mit den gesellschaftlichen Risiken und Chancen technologischer Entwicklungen und vielem mehr lässt sich das Navigieren im Ungewissen lehrend und lernend praktizieren. Dabei können – je nach Fach, Epoche und Weltregion – verschiedenen Positionen und Perspektiven eingenommen und einbezogen werden. Je nach fachlicher Ausrichtung und inhaltlicher Schwerpunktsetzung sind außerdem unterschiedliche historische, analytische, vergleichende oder deutende Zugänge denkbar. In diesem Track geht es darum, wie Ungewissheit und Wandel in geistes-, sozial- oder kulturwissenschaftlicher Lehre inhaltlich fokussiert werden.
Leitfragen für diesen Track sind:
- Welche spezifischen Wissensbestände, Theorien und Konzepte werden als Zugänge zu gesellschaftlichem Wandel und Transformation gelehrt?
- Wie wird beispielsweise das Verhältnis von Mensch, Natur, Kultur und Technik vor dem Hintergrung aktueller und historischer Entwicklungen aus unterschiedlichen Fachperspektiven inhaltlich und didaktisch erschlossen?
- Wo und wie werden Ungewissheit und Mehrdeutigkeit in der Fachlehre thematisiert und welche Herausforderungen sind mit Ungewissheit als Lerngegenstand in der Lehre verbunden?
- Wessen Perspektiven und Expertisen werden einbezogen? Welche Positionen und Perspektiven werden ausgeschlossen oder marginalisiert?
- Wie könnten Leerstellen, Schweigen und Sprachlosigkeit – auch angesichts aktueller Ereignisse – so in der Hochschullehre aufgegriffen werden, dass Nichtwissen zur epistemischen Ressource und zum Ausgangspunkt des Navigierens im Ungewissen werden kann?
Literatur
Nowotny, H. (2017). The Cunning of Uncertainty. Wiley.
